Fiktionales

Zur Erholung, aus unterschiedlichem Anlass und nur aus Spaß am Schreiben schreibe ich gern kurze erzählende Texte für Freundinnen und Freunde oder für mich selbst – ohne Anspruch oder Botschaft. Ein Uni-Roman ist begonnen, veröffentlicht ist:
 

Theater in Granada
und andere Kurzgeschichten. Norderstedt: Books on Demand, 2013.   ISBN 978-3-7357-9535-9   96 S.        € 7,90

  • Der goldene Schluck  – Leseprobe unten
  • Isoldes Geheimnis
  • Katharina Rumpeltasche
  • Beim Konditor
  • Theater in Granada
  • Kartoffelmord
  • Der Pappschüler
  • Base Camp im Zoo

Satiren und Verse

Gereimt und ungereimt

 

Aus: Der goldene Schluck

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Diesmal waren sie zusammen genau acht, die Höchstzahl für eine Gruppe. Alles Deutsche, alle aus den alten Bundesländern gottseidank. Da konnte man sich schon mal auch ohne Worte schnell verständigen. Bockisch, Diddelbach, Dr. Franzius, Hans-Jürgen, Kubitschek, Sengbusche und Strott – alle aus dem cash-now-Management wie Vandenbrinck und über 65, Herzkranzgeschädigte, dilatiert oder mit stent oder Herz-OP. Und leider, leider trotz Statinen mit nur untermittelprächtigen Aussichten, das Attest musste beigebracht werden. Aber das Seelenfeuer noch nicht erloschen! Alle waren sie bereit für eine letzte große Erfahrung, eine ganz große. Vandenbrinck kannte nur Dr. Franzius, einen Kollegen von früher, den er darauf aufmerksam gemacht hatte, und Hans-Jürgen vom letzten Mal. Hans-Jürgen und er selbst waren  d i e  Ausnahmen gewesen.

Sechs Tage schon zog die kleine Karawane daher, drei Tuareg und Paul als Expeditionsleiter, dazu Hermann, Atemtherapeut, und Lale, die Meditationstante, und sie, die acht Teilnehmer. Der Ritt hatte schweigend zu erfolgen, ganz der Erfahrung von unendlicher Weite und lebloser Einsamkeit hingegeben und dem sich verschiebenden Takt und Rhythmus von Bewegung und Trittgeräuschen. Konzentriert allein auf die eigenen Gedanken aus den abendlichen Vorbereitungsübungen mit den beiden Therapeuten. Und auch diese Gedanken noch sollten sie nach Möglichkeit im Laufe des Tages ausblenden und sich in eine „produktive Leere und Bereitschaft“ einüben. Oder in „konstruktive Innerlichkeit“, wie Lale das ausdrückte.

Die entspannten Abende im Gemeinschaftszelt am Feuer nach dem oft überraschend schnellen unauffälligen Abtauchen der Sonne! Von draußen hört man das laute Wiederkäuen der Dromedare, ab und zu auch einen Rülpser, und leise das unverständliche Gemurmel der Tuareg und Paul, manchmal auch auf Französisch, das Vandenbrinck aber nicht versteht. Die anderen übrigens auch nicht. In der Nase der Geruch vom Feuer, vom Lammbraten und angeschmortem Okra, Zwiebeln und Knoblauch, auch vom eigenen ungewaschenen Körper mehr und mehr. Schon merkwürdig, sich selbst nach ein paar Tagen riechen zu können. Das bin ich also? Auch dies, neben Atem und Meditation, ein Weg ins Innere und zum Einleben in die Einigkeit mit sich und dem eigenen grundlegenden Entschluss. Später werden sich alle außer den Tuareg und dem Personal ins Freie begeben, hin zu dem je selbst ausgesuchten Plätzchen – wenigstens hundert Schritt abseits vom Zelt und Abstand von einander. Das tödliche Schweigen der Natur, die Gleichgültigkeit der leblosen Welt und des Alls dürfen ganz ins Innere dringen, um angenommen zu werden. In der ersten Nacht erschrak Vandenbrinck vom plötzlichen kräftigen Brummen, mit dem sich etwas aus der Luft näherte. Er stand gerade etwas unbequem neben seinem Häufchen und wollte es mit der kleinen Schaufel begraben. Erleichterung und unwillkürlich stolzes Lächeln: nur ein Skarabäus, der sich seine Portion abteilen wollte. Und schon kam noch einer, weißgott woher………
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